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BeitragVerfasst: Freitag 29. Januar 2016, 23:23 
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Kaltstartversuche bei JW

Im Frühjahr 1959 testeten die AVL (Anstalt für Verbrennungsmotoren List) in Graz und die Jenbacher Werke das neue Kompressormodell, den luftgekühlten JW20KL (JW220KL).
Auch im Konstruktionsbüro der Jenbacher Werke machte man sich Gedanken über das Kaltstartverhalten und erarbeitete Vorschläge, wie das Starten bei niedrigen Temperaturen – speziell bei Handstart – zu verbessern wäre.

Allgemeine Richtlinien, denen bei allen JW-Motoren im Winter Beachtung geschenkt werden muss (Hand- und Elektrostart):

Zu zähes Schmieröl:
Falsches und/oder zu kaltes Motoröl.
Speziell bei den Kompressoren und beim M-Motor spielt die Viscosität des Schmieröls eine Hauptrolle, da ja zwei Kolben losgerissen und bewegt werden müssen; sehr wichtig beim KL, da die Möglichkeit einer Vorwärmung fast nicht gegeben war. 1960 rieten die Jenbacher Werke von Mehrbereichsölen (10W) „…aus verschiedenen Gründen…“ ab. Man schlug vor, das Motoröl abzulassen und in einem reinen Gefäss vorzuwärmen – speziell beim luftgekühlten Motor.

Zu geringe Starterleistung:
Die zu geringe Startleistung eines E-Anlassers ist in erster Linie auf die absinkende Kapazität der Starterbatterie bei zu niedriger Temperatur zurückzuführen.
Wichtig ist, dass die Batterien bestens gewartet sind und bei Kälte an einem warmen Ort gelagert werden. Eine zweite Batterie, die parallel geschaltet wird, kann bei schwierigen Fällen helfen.
Sehr hilfreich ist das händische Mitkurbeln, um Batterie und Starter zu entlasten.
Nicht nur Batterie und Starter, auch die anzuwendende Muskelkraft wurde in den Berichten der Jenbacher Werke beschrieben:
„… möglichst immer mit zwei Mann an der Kurbel starten … Wir haben unsere Versuche mit immer wechselndem Personal durchgeführt, um etwa die gleichen Voraussetzungen wie in der Praxis zu schaffen.“

Zu starke Abkühlung der Verbrennungsluft während der Kompression:
Anwärmen der angesaugten Luft durch vorgehaltene brennende Lappen oder andere Einrichtungen (Lötlampenflamme auf den Ansaugstutzen gerichtet, nicht jedoch auf den Ölbadluftfilter!).
Zwischen +15˚C und +10˚C wird der Handstart ohne Starthilfe sehr unsicher, unter +10˚C unmöglich.

Die wassergekühlten Aggregate

- Richtige Anwendung einer Zündlunte (trocken; eventuell vorher zum Glimmen bringen)
- Ablassen des Kühlwassers und Einfüllen von möglichst kochend heissem Wasser. Bei sehr tiefen Temperaturen muss der Vorgang unter Umständen wiederholt werden.
- Einfüllen von 1–2 cm³ dünnes Schmieröl in den Verbrennungsraum eines Zylinders bewirkt, dass das Öl den Kompressionsraum verringert und dadurch den Kompressionsdruck und die Kompressionstemperatur erhöht.
- Anwärmen der angesaugten Luft (siehe luftge-kühlten Motor)

Luftgekühlter JW220KL ohne E-Starter:

Beim Hand- wie auch beim Elektrostart gelten die Massnahmen wie beim wassergekühlten Aggregat mit Ausnahme des Einfüllens von heissem Wasser. Das muss durch Vorwärmen der angesaugten Luft mit Hilfe besonderer Vorrichtungen ersetzt werden.
Ende der 1950er-Jahre wurden verschiedene in der Industrie erhältliche Starthilfen getestet, an Eigenkonstruktionen getüftelt und die Vor- und Nachteile der einzelnen Hilfen ermittelt:
„Startpilot“ von Procombur wurde damals nach Versuchen positiv bewertet, nachteilig war die Handhabung, da eine zusätzliche Person die Sprühflasche bedienen musste.
Zündel (Zündfix) hat beim luftgekühlten Aggregat keinen Sinn, da sie nur im Ansaugkrümmer untergebracht werden können und dafür haben sie zu wenig Heizeffekt; ehe die Luft in den Brennraum gelangt, kühlt sie am Ansaugkrümmer und den Ventilen wieder vollkommen ab.
Startlampen am Ansaugkrümmer, die nach erfolgreichem Motorstart leicht entfernt werden können, testete man in drei Ausführungen.
a) Trockenspiritus hatte den Nachteil, dass er schwer entzündbar ist und leicht auslöscht.
b) Petroleum brennt besser als Trockenspiritus, bei beiden Varianten war aber der Nachteil, dass die Konstruktion innerhalb der Verkleidung – noch dazu unterhalb des Dieseltanks – angebracht hätte werden müssen und grössere Änderungen an der Verkleidung nötig gewesen wären.
c) Benzin- oder Petroleumlampe, die in einer Bohrung in der Vorderwand des Ansaugkrümmers befestigtet wird, überzeugte: Die Flamme brennt geschützt und ohne besondere Rußentwicklung ausserhalb der Verkleidung, daher wird nichts beschmutzt oder beschädigt.

Allgemeines:
- Bei Motoren mit E-Start mindestens eine Minute vorglühen, beim JW220KL mit Heizspirale mind. 1 ½ Minuten.
- Vor dem Anlassen den Motor mit der Handkurbel brechen, während des Startvorganges von Hand kräftig mitkurbeln.
- Das Entlasten des Motors ist von grosser Wichtigkeit; alle angeschlossenen Aggregate sollen soweit als möglich abgekuppelt werden. Bei Kompressoren sind die Auslasshähne des Behälters zu öffnen (bei Behältern, die ständig unter Druck stehen, die eingebaute Leitungsentlüftung öffnen). Bei Lokomotiven das Getriebe vollständig auskuppeln, also Leerlauf und Fahrtrichtungshebel auf 0-Stellung; nach dem Warmlaufen des Motors abschalten, Fahrtrichtungshebel einlegen und erneut starten.

Bei einer nachträglich eingebauten Wasservorwärmanlage erwärmt sich auch das Öl automatisch mit, die von uns (Archiv WGB) verwendeten Anlagen von Defa heizen das Wasser bis auf die optimale Temperatur von 80˚C, schalten automatisch ab und erst wieder ein, wenn die Temperatur auf 70˚C gesunken ist.

Aus:
Infoblatt Nr. 16
Archiv WGB Industriegeschichte

Das (unregelmäßig) erscheinende Infoblatt wird gerne als PDF zugesendet.


LG
Manfred


Dateianhänge:
Kaltstartversuche bei JW aus Infoblatt 16.pdf [224.77 KiB]
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manfred.boeckl@hausrollbahn.at
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