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BeitragVerfasst: Freitag 11. Dezember 2015, 16:50 
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Hallo!

Zur Einleitung eine kleine Geschichte ...
Als der Mensch daran ging, den Weltraum zu erobern, stellten sich ihm dabei kleinere und größere Probleme in den Weg. Unter anderem funktionierte der besonders in den USA sehr beliebte "Ball-Pen" in der Schwerelosigkeit nicht. Also wurde dort um eine Million Dollar der "Space-Pen" entwickelt, ein Kugelschreiber der lageunabhängig auch unter extremen Bedingungen schreibfähig ist.
Doch auch die Kosmonauten am anderen Ende der Erde brauchten ein weltraumtaugliches Schreibgerät. Dort wurde allerdings auf einfachere und kostengünstigere Farbstifte zurückgegriffen ... :mrgreen:
Warum ich euch das jetzt erzähle? In etwas abgeänderter Form mag die Geschichte zwar als moderne Legende gelten, die Fakten sind jedoch stimmig, und auch der Kern der Aussage hat nach wie vor Gültigkeit. Auch heutzutage denkt mach einer "Warum einfach, wenn es kompliziert auch geht", und glaubt, das Rad neu erfinden zu müssen.
So auch vor ein paar Wochen im Landtreff, als jemand nach der Möglichkeit einer elektronischen Regelung für eine Gleichstromlichtmaschine als Ersatz für den elektromechanischen Regler fragte. Mein Vorschlag, einfach einen billigen Nachbauregler für Drehstromlichtmaschinen zu verwenden, wurde dort von technischen Bansusen nicht nur kritisiert, sondern sogar als "nicht machbar" eingeordnet. Noch dazu von einem User, bei dem ich eigentlich ein gewisses technisches Verständnis vorausgesetzt habe ... :whisopa:
Die Kritik an der fehlenden Stromregelung wäre ja noch berechtigt gewesen, allerdings verfügen die meisten elektronischen Ersatzschaltungen ebenfalls über keine Stromregelung. Zudem hat etwa auch der elektromechanische Regler am Lindner definitiv keine Stromwicklung über der Spannungsspule, darf er auch nicht haben, da diese ohnehin nur zum Abrauchen verdammt wäre, falls der Motor einmal in die andere Richtung läuft.
Außerdem, weshalb nur eine Stromregelung, warum nicht gleich die Lichtmaschine kurzschlußfest machen, wenn es einfach "mitgehen" würde? ... :idea:
Daß elektronische Regler für Gleichstromlichtmaschinen im Handel erhältlich sind, ist mir durchaus bekannt. Diese sind aber in vielen Fällen nicht nur maßlos überteuert (etwa hier - http://www.ebay.at/itm/Elektronischer-R ... 0901045876 - um 125,- €), sondern ungeeignet (wegen der angesprochenen fehlenden Stromregelung) bis völlig unbrauchbar (dieser hier - http://www.histo-tech.at/docs/DVR2.pdf - würde einen getrennt herausgeführten Anschluß der Feldwicklung an der Lichtmaschine benötigen).
Da für mich jedoch immer feststand, daß die Regelung per Drehstromlichtmaschinen-Standardregler funktioniert, wäre ich bislang gar nicht auch die Idee gekommen, eine solche Beschaltung versuchsweise nachzustellen. Dafür ein Neuteil um 4,- Euro zu opfern, stand ja nicht zur Debatte. Nun ist mir aber aus konkretem Anlaß ein alter, kaputter, und grundsätzlich auch schrottreifer Bosch-Regler in die Hände gefallen. Doch das ist ebenso eine längere Geschichte ... :pfeif:
Ich habe ein Fahrzeug, bei dem der Motor nur selten, und wenn, dann nur recht kurz läuft. Man könnte es als "motorisierte Werkzeugkiste" bezeichnen. Es ist eigentlich keine Batterie fix eingebaut, bei Bedarf wird meist nur irgend ein altersschwacher Gel-Akku hineingestellt und per Starthilfekabel gestartet, deshalb ist eine Ladung über die Lichtmaschine kein Thema. Bereits vor etwa 15 Jahren einmal fiel die Ladekontrolle aus. Der Grund waren abgenutzte Reglerkohlen. Ich habe dann die festgenieteten Kabelschuhe der Bürstenanschlüsse etwas verbogen (siehe rosa Kreis), um auch noch den letzten mm Kohle nutzen zu können. Hat dann so auch wieder etwa 10 Jahre funktioniert.
Dateianhang:
Dateikommentar: Das Innenleben eines Bosch-Reglers, so wie es die wenigsten von euch schon einmal gesehen haben. Der Löschkondensator und die Freilaufdiode wurde von mir zusätzlich eingelötet, wären aber auch am/im Regler vorhanden. Jetzt ist es so wie Gürtel und Hosenträger gleichzeitig ...
Bestandteile eines Reglers.jpg
Bestandteile eines Reglers.jpg [ 150.99 KiB | 3943-mal betrachtet ]
Vor ein paar Jahren allerdings brannte erneut die Ladekontrolle beim Einschalten der Zündung nicht mehr. Für mich war naheliegend, daß die Schleifkohlen jetzt wohl wirklich am Ende seien. Diese Vermutung sollte sich jedoch dieser Tage als falsch herausstellen. Damals wollte ich aber keine neuen Kohlen oder einen neuen Regler besorgen. Wird schon einmal etwas anfallen oder auftauchen, dachte ich, und wirklich benötigt wurde das Teil ja auch nicht.
So war es dann ja auch, denn vor ein paar Wochen hatte ich mich endlich dazu durchgerungen, groß in einen neuen Regler zu investieren, als ich im Onlinehandel diverse Starter- und Lichtmaschinenkohlen bestellt habe. Da ging dann nicht nur ein Standardregler mit, ich habe gleich drei Stück geordert, um auch welche als Reserve auf Lager legen zu können. Dieser Tage wurde die Ware einschließlich der drei Regler geliefert.
Dateianhang:
Dateikommentar: An so einem Regler um 4,- Euro ist alles (bzw. sogar mehr) dran, als man brauchen würde.
günstiger Nachbauregler.jpg
günstiger Nachbauregler.jpg [ 283.59 KiB | 3943-mal betrachtet ]
Von einer gewissen Neugier getrieben, ob so ein 4-Euro-Regler eh etwas taugt, habe ich mich asbald an den Austausch des Reglers an der Lichtmaschine des besagten Fahrzeugs gemacht. Dabei traten einige Überraschungen zu Tage. Bereits beim Ausbau habe ich gesehen, daß eigentlich noch Kohle für mindestens 20 Jahre vorhanden gewesen wäre ... ;) Aber es sollte ja das Neuteil getestet werden, also eingebaut, Batterie angeschlossen, Zündung eingeschaltet ... und, großes Entsetzen ... :smhair: ... die Ladekontrolle brannte trotzdem nicht. Ein Test mit Klemme 61 auf Masse ergab, daß die LKL grundsätzlich funktionieren würde. Nun machte sich bei mir etwas Ratlosigkeit breit. Drei Regler gekauft, die nicht funktionieren ... nein, an so etwas will man gar nicht denken. Mangels alternativer Möglichkeiten habe ich darauf hin einfach gestartet. Und, siehe an, bereits während der Anlasser gedreht hat, meldete sich die Ladekontrollleuchte zurück. Auf einmal funktionierte sie auch bei eingeschalteter Zündung wie sie sollte. Ich hatte wohl zu sehr mit "Mechanikerfingern" an den Schleifringen herumgetastet, sodaß die Kohlen des neu eingesetzten Reglers wegen des Ölfilms vorerst keinen Kontakt hatten. Worauf ich einmal tief durchatmete, und der Puls von 180 auf 80 zurückging. Die anschließende Prüfung der Ladespannung mit laufendem Motor bei unterschiedlichen Drehzahlen war dann nur mehr Formsache.
Nun hatte ich einen kaputten originalen Bosch-Regler ausgebaut vor mir liegen. Abgesehen von den schon ziemlich verbrauchten Kohlen lagen offensichtlich noch weitere Defekte vor. Aus Interesse, diese herauszufinden, habe ich den Regler zerlegt. Eine kalte Lötstelle (links im rosa Kreis) ist mir bereits aufgefallen, als ich den Kohlenhalter vom eigentlichen Regler getrennt habe. Ein anschließender kurzer Test ergab jedoch, daß dann zwar Erregerstrom floß, der Regler aber beim Erreichen der Sollspannung nicht abregelte. Also wurde auch das vergossene Teil auseinandergenommen.
Dateianhang:
Reglerplatine Korrosion.jpg
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Dort zeigten sich ebenfalls sofort mehrere stark korrodierte und kalte Lötstellen. Abgebürstet, nachgelötet, und siehe da, er regelte wieder wie neu ...
Also bot sich dieses Teil förmlich an, den im Landtreff gemachten Vorschlag (wieder einmal) zu verwirklichen. Natürlich ist so ein Regler für Drehstromlichtmaschinen für unseren Bedarf nicht "steckerfertig" vorkonfiguriert, oder wie es neudeutsch so schön heißt, "plug & play-kompatibel". Dafür läßt sich die Schaltung bei Bedarf jedoch leicht im Gehäuse eines Originalreglers "verstecken". Die benötigten Anschlüsse (D+, DF und Masse) sind vorhanden und liegen frei. Sie brauchen nur mit den entsprechenden Kontakten an der LiMa verbunden werden. Wenn eine Strombegrenzung oder die Kurzschlußfestigkeit der Lichtmschine notwendig/erwünscht ist, einfach einen entsprechenden Kaltleiter in den Erregerstromkreis schalten. Auf eine ausreichend leistungsfähige Rückstromdiode zwischen D+ und B+ darf ebenfalls nicht vegessen werden. Das war es dann auch schon, einfacher geht wohl kaum mehr ...
Dateianhang:
Dateikommentar: Der Regler aus dem ersten/dritten Bild in Aktion. Er steckt zur Isolation in einer leeren Klopapierrolle, damit es nicht versehentlich nach Ampere zu riechen beginnt.
Die Situation war schwierig zu fotografieren, ohne Blitz ist die Umgebung schlecht zu sehen, mit Blitz sind die Anzeigen schwer zu erkennen.

Elektronische Regelung einer Gleichstromlichtmaschine.jpg
Elektronische Regelung einer Gleichstromlichtmaschine.jpg [ 217.4 KiB | 3927-mal betrachtet ]
Eine "kostenneutrale" Lichtmaschinenregelung aus Altteilen bzw. Schrott zu bauen, die auch zuverlässig funktioniert, das muß mir erst einmal jemand nachmachen oder toppen ... :grinsevil:
Für die Tests mußte, wie schon so oft, der Lindner Junior HRL9 herhalten. Selbstverständlich. habe ich danach den Originalzustand mit elektromechanischem Regler wiederhergestellt. Nun habe ich zwei neue Standardregler und einen für Gleichstromlichtmaschinen adaptierten Boschregler "lagernd". Ebenso einen Kohlenhalter für Drehstromlichtmaschinen mit "noch nicht ganz" verbrauchten Kohlen. Ich könnte damit eine Drehstromlichtmaschine auf unempfindlichen elektromechanischen Regler umbauen. Funktioniert ja auch ... ;)

Gruß F

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