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BeitragVerfasst: Samstag 1. Mai 2010, 17:07 
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Massentierhaltungsbetreiber erhalten EU-„Bauern“-Förderungen

Anlässlich der gestrigen (Anm.: 29.04.2010) Veröffentlichung der Förderungszahlen für 2009 weist die Tierschutzorganisation VIER PFOTEN darauf hin, dass die großen Massentierhalter auch noch groß von der EU dafür belohnt werden, tausende Tiere auf engstem Raum zusammenzupferchen.

Einerseits sind es sehr bekannte Namen wie Mensdorff-Pouilly mit seiner Fasanen-Massentierhaltung für den Jagdspaß seiner Geschäftsfreunde. Andererseits erhält auch der von VIER PFOTEN aufgedeckte Hühnerquäler Latschenberger über 78.000 Euro, obwohl er illegale Käfigbatterien betreibt.

Und es wird jedes Jahr mehr:
Graf Maximilian Hardegg hat 2008 für seine 20.000 Schweine-Massentierhaltung - die größte Österreichs - 915.500,64 Euro erhalten, 2009 bekommt er schon 1.034.390,81. Und der bekanntlich nicht gerade arme Fürst Liechtenstein erhält für seine zweitgrößte Schweinefabrik Österreichs im NÖ Wilfersdorf mit 10.000 Schweinen schon über 1,5 Mio. Euro!

VIER PFOTEN fordert dringend, die Förderungen an über das Gesetz hinaus gehende Tierschutzauflagen zu knüpfen. „Dieses Förderungssystem ist ein Auftrag zu – teilweise illegaler - Massentierhaltung, auch noch finanziert durch all die Steuerzahler, die Tierquälerei ablehnen“, so Johanna Stadler, Geschäftsführerin von VIER PFOTEN.

JA!Natürlich schließe ich mich dieser Forderung an.
Diese Tierfabrikanten haben doch mit Bauer-Sein gar nix zu tun.
Und ob die Mittel aus dem Steuer-Topf - umgeleitet über die EU - als Mittel zur Arbeitsplatzsicherung bezeichnet werden dürfen, ist mehr als zu bezweifeln.

Da hat die EU jedenfalls versagt! Dieses Fördersystem ist KRANK, todkrank.


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BeitragVerfasst: Samstag 1. Mai 2010, 18:45 
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ehrlich und tapfer
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Ganz so einfach ist das aber nicht. Ich hab mit Mennsdorf und Hardegg nichts am Hut, aber so wie hier polemisiert wird, so kann man das nicht machen. Die Leute kriegen das Geld nicht für eine tierquälerische Haltung, sondern für definierte Leistungen, genau so wie der kleine brave Bergbauer. Die Frage der Tierhaltung ist die eine Geschichte, die Frage von definierten Ausgleichszahlungen eine andere.

Ob diese Leute (Moretti, Mateschitz.....) auf dieses Geld angewiesen sind und ob dies sozial ausgewogen ist, ist eine andere Frage. Wenn diese Leute zu viel verdienen, wird man ihnen hoffentlich über die EK-Steuer wieder was abknöpfen.

Die Landwirtschaftlichen Ausgleichszahlungen können nicht die Sozial- und Steuerpolitik ersetzen.


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BeitragVerfasst: Samstag 1. Mai 2010, 21:09 
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matthias hat geschrieben:
Ganz so einfach ist das aber nicht. Die Leute kriegen das Geld nicht für eine tierquälerische Haltung, sondern für definierte Leistungen, genau so wie der kleine brave Bergbauer. Die Frage der Tierhaltung ist die eine Geschichte, die Frage von definierten Ausgleichszahlungen eine andere.

........ auf dieses Geld angewiesen sind und ob dies sozial ausgewogen ist, ist eine andere Frage. Wenn diese Leute zu viel verdienen, wird man ihnen hoffentlich über die EK-Steuer wieder was abknöpfen.

Die Landwirtschaftlichen Ausgleichszahlungen können nicht die Sozial- und Steuerpolitik ersetzen.

Daß sie das Geld nicht für eine tierquälerische Haltung kriegen, ist doch - auch mir - klar.
ABER: Gemeint ist, daß das EU-(Steuer-)Geld an eine nicht-tierquälerische Haltung gebunden sein sollte.
Das Prinzip sollte nicht sein: je mehr Tiere pro Fläche XY, desto mehr Geld!
Sondern: je weniger Tiere pro Fläche XY, desto mehr Geld.
So wie es bis jetzt läuft, entspricht das Fördersystem dem Ausbeutungssystem der Wirtschaft.
Die "definierten" Leistungen müssen neu definiert werden. Darum geht es.

Der kleine brave Bergbauer neben einem Grafen oder einem Fruchtsafterzeuger ... Ein schöner Vergleich.

Und sag mir nun bitte nicht, die Konsumenten wollen das so.
Da ich kein Bauer bin, bin ich Konsument. Und als solcher sage ich, der soll gefälligst den fairen Preis zahlen für wahre Qualität. Und das sind nun mal nicht tierquälerische Massenprodukte. Weniger konsumieren für mehr Geld.
Das werden die Menschen noch kapieren (müssen).

Die lw Ausgleichszahlungen sollen auch nicht die Sozial- und Steuerpolitik ersetzen. Sie sollen sie einbinden.


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BeitragVerfasst: Sonntag 2. Mai 2010, 17:38 
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Hallo!

"Es ist alles sehr kompliziert ..."
Österreichs Landwirtschaft verfügte einmal über ein bedarfsorientiertes Fördersystem mit Bestandsobergrenzen und einen fiktiven Einheitswert, mit dem das Betriebseinkommen bei der Höhe der Förderungen berücksichtigt wurde.
Dann kam die EU ...
Für die "konsumentenfreundlichen" Produktpreise wurden den Landwirten Ausgleichszahlungen zugesagt. Ergo: wenig Produktion - wenig Ausgleichszahlungen, viel Produktion - viel Ausgleichszahlungen.
Zudem wurde eine Abgeltung für erbrachte Leistungen (etwa umweltgerechte Bewirtschaftung) ausverhandelt. Diese Abgeltung erfolgt meist flächenbezogen. Auch hier bedeitet wenig Grundbesitz - wenig Zahlungen, viel Grundbesitz - viel Zahlungen (OK, stimmt nicht ganz, es gibt mittlerweile zum Teil Modulation und Deckelung).
Dazu kommt noch das Faktum "Einheitliche Betriebsprämie", welches sich ebenfalls in Euro/Hektar ausdrückt. Die Höhe richtet sich aber an den Zahlungen, die der Betrieb irgendwann einmal (2002) erhalten hat. Hatte damals jemand einen guten Riecher (oder besser guten Draht), hat sich dieser zB. im großen Stil 2002 Maststiere eingestellt. Durch die Schlachtprämie kam für die EBP ein guter Wert Euro/Hektar zustande. Dabei ist es jetzt aber unerheblich, wie viele, oder ob der Betrie überhaupt noch Stiere hält. Ähnlich auch bei der Milchprämie, diese erhalten auch Betriebe, die die Quote längst verkauft haben ...
Wenn nun aber die Ausgleichszahlungen wieder einen sozial- und seuerpolitischen Aspekt bekommen sollten, müßte die GAP komplett umgekrempelt werden.

Gruß F

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BeitragVerfasst: Dienstag 4. Mai 2010, 17:38 
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Danke Fadinger für den Hinweis.

Apropos GAP - heute habe ich auch hier gestöbert:
http://ec.europa.eu/agriculture/cap-pos ... dex_de.htm

Österreichische Bauern sind da kaum zu finden.
Nicht einmal der Moarpeda.
Oder ist es der "Angestellter und Hobbybauer"?


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BeitragVerfasst: Mittwoch 5. Mai 2010, 15:06 
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Hallo!

Hier der Ausschnitt eines Bundesratsprotokolls in Zusammenhang mit der Schließung der Molkerei Königswiesen. Damit soll anschaulich gemacht werden, daß die "Förderungsgerechtigkeit" nicht erst heute bekannt wurde ...

663. Sitzung des Bundesrates

Gruß F

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BeitragVerfasst: Mittwoch 5. Mai 2010, 18:03 
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Danke, sehr interessant!
Was der SPÖ Bundesrat Kraml am 6.4.2000 sagte, trifft es genau.
Jedoch, ein Bundesrat, noch dazu ein roter als Angehöriger einer Minderheit im politischen landwirtschaftlichen Gefüge - wird/wurde er gehört?
NEIN. Seine Stimme geht unter im lauten GePröll.
Gibt es einen Nationalrat, ev. einen schwarzen, der sich für die Anliegen der kleinen Landwirte (ohne Massentierhaltung zB) einsetzt?
Ich weiß nur vom grünen Pirklhuber.

Das Spazierenfahren der Milch in Österreich von einem Bundesland in das andere zeugt für die Abwesenheit des Hausverstandes bei den Entscheidungsträgern (Beispiel Molkerei Königswiesen). :stupid:

Wie schwierig/lukrativ ist es eigentlich für einen LW zB in Deiner Gegend, seine Produkte über Direktvermarktung (Gastwirte, Bauernverkaufsorganisationen, Bauernmärkte) zu verkaufen?
Im dem von mir erwähnten Gasthaus in Weitersfelden fand man zB auf der Speisekarte Angaben darüber, bei welchem Bauern der RE
egion Fleisch, Eier ... bezogen werden.


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BeitragVerfasst: Mittwoch 5. Mai 2010, 18:46 
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Hallo!

Daß die Zeilen von einen SPÖ Bundesrat stammen, hatte ich vorerst gar nicht gesehen. Ich hatte nämlich gleich zur ersten Seite geblättert. Aber es wäre ohnehin das gesamte Protokoll lesenswert. Vor allem jetzt, zehn Jahre danach ...

Punkto Direktvermarktung schaut es bei uns eher schlecht aus. Hofladen macht eher nur in der Nähe oder im Ballungsraum Sinn. Weiters müßte man sehr mobil und viel unterwegs sein, was wiederum für einen Einmannbetrieb nicht machbar ist ...

Gruß F

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BeitragVerfasst: Sonntag 9. Mai 2010, 00:12 
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Fadinger hat geschrieben:
Aber es wäre ohnehin das gesamte Protokoll lesenswert. Vor allem jetzt, zehn Jahre danach ...

Ich habs gelesen.
Zitat:
Punkto Direktvermarktung schaut es bei uns eher schlecht aus. Hofladen macht eher nur in der Nähe oder im Ballungsraum Sinn.

Wie stehts mit Freistadt?
Heutzutage hat ja jede/r Stadt/Markt einen Bauernmarkt.

Zitat:
Weiters müßte man sehr mobil und viel unterwegs sein, was wiederum für einen Einmannbetrieb nicht machbar ist ...

Ja, das stimmt.
Aber, vermutlich aus diesem Grund, schließen sich Bauern zusammen.
Also: einer fährt zum Markt, verkauft seine eigenen Produkte und auch die seiner/s Nachbarn.
So erlebe ich es halt bei meinen Einkäufen.

Genauso bei den Hofläden: Der Bauer verkauft nicht nur seinen eigenen Produkte, sodern auch die seiner "Vertrags"_Nachbarn.


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BeitragVerfasst: Sonntag 9. Mai 2010, 10:13 
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Hallo!
else hat geschrieben:
Wie stehts mit Freistadt?
Heutzutage hat ja jede/r Stadt/Markt einen Bauernmarkt.
Schlecht. Mit der selben Fahrzeit und ein paar Kilometern mehr wäre ich auch in Linz, also einen echten "Ballungsraum".
else hat geschrieben:
Aber, vermutlich aus diesem Grund, schließen sich Bauern zusammen.
Ja, klar, auch ich bin "Teil" einer solchen Genossenschaft. Meine Molkereianteile habe ich 1994 in die Milchunion Alpenvorland eingebracht, eine Primärgenossenschaft der Berglandmilch.
Und das Ergebnis ist eben, daß der "Mühlviertler Faßlbutter" in Aschbach in NÖ hergestellt wird ...

Gruß F

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